Leserbrief: Was bleibt nach einer Höhergruppierung?

Höhergruppierungen im Beschäftigtenbreich haben in den Bereichen bis EG 9 oftmals nicht die finanziellen Auswirkungen, die sich ein(e) MitarbeiterIn wünscht. Leider sind dies gerade in der hessischen Justiz keine Einzelfälle, da es eine Eingruppierung über EG 9 in den Gerichten und Staatsanwaltschaften, so gut wie gar nicht gibt. Um solche Mißstände abzustellen sind wir als Gewerkschaften genauso gefragt, wie die politischen Verantwortlichen.
So erreichte uns zu diesem Thema ein Leserbrief, den wir Ihnen nicht vorenthalten möchten und einer dieser vielfach vorkommenden Fälle ausführlich schildert, aber lesen Sie selbst:

„ … In Anbetracht der vom Ministerium stets forcierten Motivations-, Gesundheits- und Leistungsförderung richte ich meine Zeilen an Sie, um – zugegebener Maßen ein wenig humorvoll – auf einen der wohl grundlegendsten Missstände in der hessischen Justiz aufmerksam zu machen:

Die Entgeltordnung nach TV-H:

Anhand eines aktuellen Sachverhaltes von mir ein wenig aufgeschlüsselt dargestellt, weil man es sonst evtl. nicht richtig zu glauben vermag: Der tariflich (ja, ja... von den Gewerkschaften) ausgehandelte Sachverhalt, nach einer  Höhergruppierung  einer Justizangestellten:

Man nehme den Bezüge-Nachweis einer 40-jährigen, ledigen und kinderlosen Justizangestellten in der Entgeltgruppe EG 6 (Stufe 4) = 2.592,54 € brutto zuzüglich einer erworbenen Bewährungszulage in Höhe von 75,36 € brutto).  Macht zusammen 2.667,90 € brutto).
Besagte Mitarbeiterin wurde nun von EG 6 in EG 8 höhergruppiert.
Nach Wegfall der bisher in EG 6 erhaltenen Bewährungszulage (sie hat sich ja acht Jahre in dieser Entgeltgruppe bewährt!) von 75,36 € brutto, kommt besagte Angestellte in den Genuss einer Zahlung des sogenannten Garantiebetrages von 29,51 € brutto, da diese in der neuen Entgeltstufe 8 (Stufe 3) lediglich 2.690,04 € erhalten würde.

Zur besseren Übersicht – da das Tarifrecht doch sehr, für den Einen oder Anderen sehr unübersichtlich ist:

EG 6 Stufe 4 = 2.592,54 zuzüglich einer  Bewährungszulage von 75,36 € = 2.667,90 € brutto

E8 Stufe 3 = (Bewährungszulage von 75,36 € fällt weg!) = 2.690,04 €  brutto.

Macht summa summarum eine positive Differenz von sage und schreibe 20,62 € brutto. Da der Angestellten ein Garantiebetrag von 29,51 € zusteht, erhält sie tatsächlich eine - nunmehr als Auffüllbetrag deklarierte - Summe von 7,71 € brutto.

Wie bereits geschildert, muss man sich diese Aufschlüsselung sicherlich mehrmals durchlesen, um es tatsächlich zu erfassen.

Vereinfacht dargestellt bedeutet das, dass der Mitarbeiterin nach der Höhergruppierung von EG 6 (Stufe 4) in EG 8 (Stufe 3) ein monatlicher Nettomehrverdienst von  - jetzt halten Sie sich fest –
13,20 €
ihr Eigen nennen darf.

Wahrlich kommt es in den nächsten Stufenphasen (die über mehrere Jahre gestaffelt sind aber in weiter Ferne liegen) zu weiteren Erhöhungen, dies ist aber in Anbetracht einer zunächst großen Freude über die Höhergruppierung zum jetzigen Zeitpunkt eher nicht dazu geeignet, diese Justizangestellte zu erfreuen oder gar zu motivieren.

Wenn man die zu Hauf vorkommenden psychischen Langzeiterkrankungen in der hessischen Justiz betrachtet und dass alle Mitarbeiter stetig mehr Verantwortung übernehmen müssen, diese Mitarbeiter noch ausgebrannten erkrankten Kolleginnen und Kollegen vertreten müssen, ist der Versuch, Mitarbeiter zu motivieren – meines Erachtens –  nicht wirklich gelungen.

Verantwortungsvolle Leistungen sollten auch verantwortungsvoll honoriert werden und glauben Sie mir, ich wäre mit einem Mehrbetrag von ca. 50,00 € netto bereits überglücklich gewesen.
Vielleicht sollte in Zukunft bei Tarifverhandlungen auch darüber nachgedacht werden, evtl. Besitzstandswahrungen auszuhandeln. Es kann nicht angehen, dass eine Höhergruppierung in die nächste Entgeltstufte mit 13,20 € netto zu Buche schlägt. Das ist in meinen Augen eine Farce!!! …“

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